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Fachwissen

Statorwicklung: Welche Isolierteile vom Nutgrund bis zum Wickelkopf sitzen

Yannick Wille

Von Yannick Wille, Geschäftsführer

20. Oktober 2026

Stator mit Runddrahtwicklung, die Nutisolation ragt aus den Nuten, im Ausschnitt der umgeschlagene Rand der Bördelung

Die Statorwicklung ist die Kupferwicklung im feststehenden Teil eines Elektromotors oder Generators. Sie liegt in den Nuten des Blechpakets. Im Motor erzeugt sie das magnetische Drehfeld, im Generator wird in ihr die Spannung induziert. Damit das zuverlässig funktioniert, muss das Kupfer überall gegen das Blechpaket und gegen die anderen Phasen isoliert sein.

Eine Statorwicklung besteht deshalb nicht nur aus Kupfer. Zwischen Draht und Blechpaket, zwischen den Wicklungslagen und zwischen den Phasen sitzen Isolierteile, die jeweils eine eigene Aufgabe haben. Sitzt eines davon nicht richtig, droht im Betrieb ein Isolationsfehler: ein Körperschluss zwischen Wicklung und Blechpaket oder ein Phasenschluss zwischen zwei Phasen.

Dieser Artikel richtet sich an Konstruktion und Einkauf bei Motorenherstellern sowie an Wickelbetriebe. Er geht den Aufbau einer klassischen Runddrahtwicklung Schritt für Schritt durch, vom Nutgrund bis zum Wickelkopf, und zeigt, wo unsere Kunden die meisten Probleme sehen. Zu jedem Teil führt ein Link zur ausführlichen Darstellung. Wer einen bestehenden Motor überholt, findet im Beitrag wann sich eine Neuwicklung lohnt die Besonderheiten der Reparatur.

Nutisolation: die erste Lage im Nutgrund

Am Anfang steht die Nutisolation. Sie wird vor dem Wickeln in die Nut des Blechpakets eingesetzt und trennt den Kupferdraht vom Statorblech. Je nach Ausführung hat sie einen Bord, also einen umgeschlagenen Rand an den Enden, und heißt dann gebördelt, oder sie ist ungebördelt.

Danach wird der Runddraht in die isolierte Nut gewickelt. Ziel ist, den Nutquerschnitt möglichst gut mit Kupfer zu füllen. Die Nutisolation soll deshalb so dünn wie möglich sein und trotzdem die Durchschlagsfestigkeit haben, die die Anwendung verlangt, und das Einziehen der Wicklung unbeschädigt überstehen. Wo dieser Kompromiss liegt und was sich bei Hairpin-Statoren ändert, zeigt der Beitrag wie dünn eine Nutisolation sein darf.

An den Stirnseiten steht die Nutisolation meist über das Blechpaket hinaus. Wie weit, hängt von den geforderten Kriechstrecken ab, also dem Weg entlang der Isolieroberfläche von der Wicklung zum Blech. Welche Maße dafür auf die Zeichnung gehören, steht im Beitrag zu Kriech- und Luftstrecken in der Zeichnung.

„Ein kritischer Punkt ist häufig die Nutisolation. Sie muss sehr genau in der Nut sitzen.“

Yannick Wille, Geschäftsführer

Zwischenschieber: Trennung zwischen den Wicklungslagen

Je nach Wicklungsaufbau liegen in einer Nut zwei Wicklungsbereiche übereinander oder nebeneinander. Ein Zwischenschieber trennt sie elektrisch und gibt dem Aufbau zusätzliche mechanische Stabilität.

Bei Zweischichtwicklungen sitzt er, häufig als U-Profil, zwischen den beiden Lagen und steht oft an beiden Enden über das Blechpaket hinaus. Bei Zahnwicklungen, bei denen jede Spule um einen einzelnen Statorzahn gewickelt ist, trennt ein Z-Profil die beiden benachbarten Spulen in der Mitte der Nut. Typisch sind dünne, flexible Laminate, zum Beispiel NPN in 0,17 bis 0,22 mm. Wann welches Profil passt, vertieft der Beitrag zu U- und Z-Profilen für Zweischicht- und Zahnwicklungen.

Deckschieber und Nutverschlusskeil: die Nut schließen

Ist die Wicklung fertig, schließt ein Deckschieber die Nut nach oben. Er verhindert unter anderem, dass sich der Draht wieder aus der Nut herausbewegt.

Je nach Konstruktion kommt ein Abdeckstreifen oder ein Nutverschlusskeil dazu, der den Aufbau mechanisch sichert. Es gibt auch Konstruktionen mit beidem: erst der Deckschieber über der Wicklung, dann der Keil, der die Nut formschlüssig verschließt. Eine feste Maschinengröße, ab der man zum Keil wechselt, gibt es nicht. Verbreitet sind Keile vor allem bei Generatoren und Hochvoltanwendungen. Keilgeometrien, Werkstoffe und die Entscheidung im Einzelfall behandelt der Beitrag wann ein Deckschieber genügt und wann ein Keil nötig ist.

Phasentrenner: Phasenisolation im Wickelkopf

Außerhalb der Nut liegt der Wickelkopf. Dort laufen die Wicklungsbereiche der einzelnen Phasen aneinander vorbei. Phasentrenner trennen sie elektrisch und verhindern so einen Phasenschluss. Es sind flache Stanzteile, deren Kontur an den Wickelkopf angepasst ist, vor allem in den Rundungen.

Häufig bestehen sie aus DMD-Laminat oder aus NPN auf Basis von Nomex® 411. Dieses Aramidpapier ist unkalandriert und hat eine offene, flauschige Oberfläche, die beim anschließenden Imprägnieren gut Harz aufnimmt.

Wo in der Praxis die meisten Probleme entstehen

Ein häufiger kritischer Punkt ist die Nutisolation. Sitzt sie nicht genau in der Nut, kann der Draht beim Wickeln zwischen Nutisolation und Statorblech geraten. Dieses sogenannte Hinterwickeln kann später zu einem Körperschluss führen, also einem Schluss zwischen Wicklung und Blechpaket, und muss unbedingt verhindert werden.

Zweitens kann der eingezogene Draht die Nutisolation mitziehen und verschieben. Dagegen hilft der Bord: Der umgeschlagene Rand hält die Isolation in ihrer Position.

Drittens der Nutverschluss. Hat die Nut noch zu viel Spiel, sitzt der Deckschieber nicht fest genug und kann verrutschen. Dann braucht es eine zusätzliche mechanische Sicherung, etwa einen Nutverschlusskeil.

Der Phasentrenner ist dagegen selten das Problem. Anspruchsvoll wird er in automatisierten Linien, weil sich ein flaches, flexibles Stanzteil aus Schüttgut schwer vereinzeln und ausrichten lässt. Dort entscheidet die Anlieferform, mehr dazu unter Anlieferformen für Phasentrenner in automatisierten Linien.

„Der Phasentrenner selbst gehört in der Regel nicht zu den kritischsten Isolierteilen im Motor. Probleme treten häufiger bei der Nutisolation oder beim Nutverschluss auf.“

Yannick Wille, Geschäftsführer

Großgeneratoren: ein anderes Isolationssystem

Bei großen Generatoren und Hochspannungsmaschinen kommen statt Runddraht vorgeformte Formspulen oder Röbelstäbe zum Einsatz. Sie werden schon vor dem Einlegen isoliert, etwa mit Mica-Bändern bandagiert, und dann in die Nut gelegt. Kupferquerschnitt, Bandagierung, Nutisolation und Nutgeometrie sind dort als ein Hochspannungs-Isolationssystem aufeinander abgestimmt. Wie das im Detail aussieht, zeigt der Beitrag wie Röbelstäbe und Formspulen isoliert werden, die passenden Teile stehen auf der Seite Generatoren.

„Damit ist die Isolation bei Großgeneratoren nicht einfach ein einzelnes Bauteil, sondern ein aufeinander abgestimmtes Hochspannungs-Isolationssystem, dessen konkreten Aufbau der jeweilige Maschinenhersteller festlegt.“

Yannick Wille, Geschäftsführer

Alle Isolierteile eines Stators aus einer Hand

Den Aufbau der Statorwicklung legen Sie als Motoren- oder Generatorenhersteller fest, einschließlich Materialstärken, Überständen und Abständen. Wir fertigen jedes Teil davon nach Ihrer Zeichnung, von der Nutisolation bis zum Phasentrenner. Auf Wunsch liefern wir die Teile eines Stators als Kit, zusammengestellt in genau der Stückzahl, die Sie je Stator brauchen. Eine Übersicht aller Teile für Motorenhersteller finden Sie unter Isolierteile für den Elektromotorenbau.

Sie haben eine Anwendung im Kopf?

Sprechen Sie mit uns. Wir finden die passende Isolationslösung.

Häufige Fragen

Welche Isolierteile sitzen in einer Statorwicklung?

In einer Statorwicklung sitzen in der Nut die Nutisolation, je nach Wicklung ein Zwischenschieber, darüber der Deckschieber und je nach Konstruktion ein Abdeckstreifen oder Nutverschlusskeil. Im Wickelkopf trennen Phasentrenner die einzelnen Phasen.

Was ist Hinterwickeln?

Beim Hinterwickeln gerät der Draht zwischen Nutisolation und Statorblech. Das passiert, wenn die Nutisolation nicht genau in der Nut sitzt, und kann später zu einem Körperschluss zwischen Wicklung und Blechpaket führen.

Wie heißt der umgeschlagene Rand an der Nutisolation?

Der umgeschlagene Rand heißt Bord, die Nutisolation ist dann gebördelt. Er verhindert, dass der eingezogene Draht die Nutisolation beim Wickeln mitzieht und verschiebt, und seine Geometrie trägt zur nötigen Kriechstrecke bei. Ausführungen mit und ohne Bord zeigt die Produktseite Nutisolation.

In welcher Reihenfolge werden die Isolierteile im Stator eingesetzt?

Zuerst kommt die Nutisolation in die leere Nut, dann wird gewickelt. Bei Zweischichtwicklungen liegt zwischen Unter- und Oberlage der Zwischenschieber. Die Phasentrenner im Wickelkopf werden schon beim Einziehen gesetzt, jeweils nach den Spulen einer Phase. Nach dem Wickeln schließt der Deckschieber die Nut, je nach Konstruktion zusätzlich gesichert durch einen Nutverschlusskeil. Wann der Keil nötig wird, zeigt Deckschieber und Keil im direkten Vergleich.

Was ist der Unterschied zwischen Körperschluss und Phasenschluss?

Ein Körperschluss ist ein Schluss zwischen Wicklung und Blechpaket, ein Phasenschluss ein Schluss zwischen zwei Phasen der Wicklung. Vor dem Körperschluss schützen vor allem Nutisolation und Deckschieber, vor dem Phasenschluss der Zwischenschieber zwischen Lagen unterschiedlicher Phasen und die Phasentrenner im Wickelkopf. Wie Phasentrenner in automatisierte Linien kommen, steht im Beitrag Phasentrenner im Wickelkopf.