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Elektromotor neu wickeln: Wann es sich lohnt und welche Isolation nötig ist

Yannick Wille

Von Yannick Wille, Geschäftsführer

15. Oktober 2026

Mehrere Rollen Isoliermaterial in Blau, Weiß und Braun auf Kernen, Nahaufnahme

Einen Elektromotor neu wickeln heißt: Der Motor wird zerlegt, die alte Wicklung aus dem Stator entfernt, die Isolation in den Nuten neu aufgebaut und der Stator mit neuem Kupferdraht gewickelt. Ob sich das lohnt, ist meist eine wirtschaftliche Frage. Bei kleinen Motoren ist der Austausch oft günstiger, bei großen Motoren und Generatoren lohnt sich eine Neuwicklung wegen des hohen Maschinenwerts deutlich eher.

Dieser Artikel richtet sich an Betreiber, die zwischen Neuwicklung und Austausch entscheiden, und an Wickel- und Reparaturbetriebe. Er zeigt, wovon die Kosten abhängen, nach welchen Kriterien Sie entscheiden, wie eine Neuwicklung abläuft und welches Isoliermaterial ein Wickelbetrieb in welcher Lieferform braucht. Wir fertigen dieses Isoliermaterial für Wickelbetriebe und Motorenhersteller.

Lohnt es sich, einen Elektromotor neu wickeln zu lassen?

Ob sich das Neuwickeln eines Elektromotors lohnt, entscheidet meist nicht die Technik, sondern die Rechnung. Eine Neuwicklung ist zum großen Teil Handarbeit, und dieser Aufwand schrumpft nicht im gleichen Maß wie der Motor.

Bei großen Motoren und Generatoren steht dem Aufwand ein hoher Maschinenwert gegenüber. Im Reparaturgeschäft werden deshalb heute vor allem größere Motoren und Generatoren neu gewickelt oder überholt, oft von darauf spezialisierten Wickelbetrieben in Deutschland und Europa.

„Bei kleinen Elektromotoren sind Demontage, Entfernung der alten Wicklung, Neuaufbau der Isolation und erneutes Wickeln häufig so arbeitsintensiv, dass der Austausch des kompletten Motors günstiger ist.“

Yannick Wille, Geschäftsführer

Was kostet es, einen Elektromotor neu wickeln zu lassen?

Die Kosten einer Neuwicklung lassen sich nicht pauschal beziffern, weil sie vor allem von Arbeitszeit und Kupfer abhängen und beides mit Größe und Bauart des Motors stark schwankt. Einen belastbaren Preis nennt nur der Wickelbetrieb, nachdem er den Motor begutachtet hat.

Die wichtigsten Kostentreiber sind erstens die Arbeitszeit für Abwickeln, Neuwickeln, Imprägnieren und Prüfen. Zweitens die Kupfermenge, denn Kupfer ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Drittens die Wicklungsart: Hochspannungsmaschinen mit Formspulen oder Röbelstäben brauchen ein deutlich aufwendigeres Isolationssystem als eine Runddrahtwicklung. Viertens Zusatzarbeiten an Blechpaket, Lagern oder Welle. Fünftens die Eile, wenn eine Anlage stillsteht.

Das Isoliermaterial ist im Vergleich zu Arbeitszeit und Kupfer meist ein kleinerer Posten. An der Wärmeklasse zu sparen, lohnt sich deshalb selten.

Neu wickeln oder neu kaufen: Kosten, Lieferzeit und Zustand abwägen

Eine feste Leistungsgrenze, ab der sich die Neuwicklung rechnet, gibt es nicht. Die Entscheidung trifft der Betreiber der Maschine, auf Grundlage des Angebots seines Wickelbetriebs und des Zustands der Maschine. Als Hersteller der Isolierteile bewerten wir diese Frage nicht.

Neben dem Preisvergleich zählen vier Punkte. Erstens die Lieferzeit eines Ersatzmotors, denn jeder Tag Stillstand kostet mit. Zweitens die Bauform: Für Sondermotoren und ältere Maschinen gibt es oft keinen Ersatz ab Lager, der ohne Anpassungen an Fundament, Welle oder Anschluss passt. Drittens der Wirkungsgrad: Bei älteren Motoren spricht er oft für den Austausch, weil ein neuer Motor meist eine höhere Effizienzklasse erreicht. Viertens der Zustand von Blechpaket, Lagern und Welle, denn eine neue Wicklung rettet keinen beschädigten Stator.

Je größer und spezieller die Maschine, desto eher fällt die Rechnung zugunsten der Neuwicklung aus.

Wie läuft die Neuwicklung eines Elektromotors ab?

Die Neuwicklung eines Elektromotors mit Runddrahtwicklung folgt im Kern vier Schritten: Demontage, Entfernen der alten Wicklung, Neuaufbau der Isolation und erneutes Wickeln. Vorher nimmt der Wickelbetrieb die Wickeldaten der alten Wicklung auf. Wird die alte Wicklung ausgebrannt, prüft er danach in der Regel das Blechpaket, weil das Ausbrennen die Isolation zwischen den Blechen schädigen kann. Nach dem Wickeln wird die Wicklung imprägniert und elektrisch geprüft, bevor der Motor wieder zusammengebaut wird.

Für den Materialbedarf ist der Neuaufbau der Isolation entscheidend, denn sie wird komplett ersetzt. Zuerst kommt die Nutisolation in die leere Nut, dann wird der Draht eingewickelt. Je nach Wicklungsaufbau trennt ein Zwischenschieber zwei Wicklungslagen. Nach dem Wickeln schließt ein Deckschieber die Nut, bei manchen Konstruktionen sichert zusätzlich ein Nutverschlusskeil, siehe wann ein Keil den Deckschieber absichern muss. Phasentrenner werden schon beim Einziehen zwischen die Spulen unterschiedlicher Phasen im Wickelkopf gesetzt. Wo jedes dieser Teile sitzt und wo Fehler entstehen, zeigt der Beitrag welche Isolierteile in welcher Reihenfolge im Stator sitzen.

Große Generatoren und Hochspannungsmaschinen mit Formspulen oder Röbelstäben sind anders aufgebaut. Dort werden die Spulen vor dem Einlegen isoliert, im Reparaturgeschäft häufig von Hand bandagiert. Mehr dazu im Beitrag wie Röbelstäbe und Formspulen isoliert werden.

Isoliermaterial für Wickelbetriebe: Meterware und Rollen in Standardbreite

Im Reparaturgeschäft hat fast jeder Motor andere Nutmaße und Paketlängen. Gefragt ist deshalb Isoliermaterial, das der Wickelbetrieb selbst auf Maß bringt, statt für jeden Auftrag Teile nach Zeichnung zu bestellen.

Deckschieber als Meterware liefern wir in den Wärmeklassen B, F und H. Flächenisolierstoffe gehen häufig als Rollenmaterial in Standardbreiten an den Wickelbetrieb und werden dort mit Schere oder Schlagschere auf das benötigte Maß geschnitten.

Maßstab für die Materialwahl ist die Wärmeklasse auf dem Typenschild des Motors: Die neue Isolation sollte sie mindestens erreichen. Gängig sind DMD Laminat für die Klassen B und F, NPN Laminat für Klasse F sowie Nomex® 410 Aramidpapier und NKN Laminat für Klasse H.

„Reparaturbetriebe benötigen vor allem flexibel einsetzbare Isoliermaterialien. Typisch sind beispielsweise Deckschieber als Meterware, etwa in ein Meter langen Abschnitten. Der Wickelbetrieb schneidet daraus selbst die benötigten Längen zu.“

Yannick Wille, Geschäftsführer
Gefalzte Deckschieber in verschiedenen Größen: Als Meterware längt der Wickelbetrieb sie selbst auf die Paketlänge ab
Gefalzte Deckschieber in verschiedenen Größen: Als Meterware längt der Wickelbetrieb sie selbst auf die Paketlänge ab

Von der Reparatur zur Serie: welche Lieferform wann passt

Welche Lieferform passt, hängt davon ab, wie oft derselbe Motor gewickelt wird und ob Menschen oder Maschinen das Isoliermaterial verarbeiten. Für die Einzelreparatur sind Meterware und Rollen in Standardbreite richtig, in der automatisierten Serienfertigung muss das Material schon in der Breite ankommen, die die Anlage erwartet.

Dazwischen liegen die mittleren Serien. Hier kommen fertige Stanz- und Formteile zum Einsatz, die nur noch eingelegt werden: vorgeformte Nutisolationen, fertig abgelängte Deckschieber oder gestanzte Phasentrenner. Auch ein Wickelbetrieb, der denselben Motortyp regelmäßig neu wickelt, kann hier einsteigen. Das ist unser Kern: Wir machen aus der Materialbahn die Form, indem wir nach Kundenzeichnung falzen, formen und biegen.

Für ein Angebot brauchen wir Wärmeklasse, Material und Stärke, die gewünschte Lieferform, die Art der Verarbeitung (von Hand oder automatisiert) und die Menge. Bei Deckschiebern nach Zeichnung kommen Rückenbreite, Schenkellänge, Paketlänge und eine eventuell gewünschte Abschrägung dazu.

„Bei Herstellern von neuen Motoren und größeren Serien sieht es anders aus. Hier liefern wir Rollenmaterial häufig bereits exakt auf die benötigte Bandbreite zugeschnitten. Dadurch kann das Material direkt auf automatisierten Anlagen verarbeitet und beispielsweise als Nutisolation eingeschossen werden.“

Yannick Wille, Geschäftsführer

Isoliermaterial für die nächste Neuwicklung

Wer einen Motortyp regelmäßig neu wickelt, spart mit Formteilen nach Zeichnung das Zuschneiden in der Werkstatt. Alle Isolierteile für Stator und Rotor finden Sie auf der Seite Isolierteile für den Elektromotorenbau.

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Sprechen Sie mit uns. Wir finden die passende Isolationslösung.

Häufige Fragen

Lohnt es sich, einen Elektromotor neu wickeln zu lassen?

Bei großen Motoren und Generatoren meist ja, weil der hohe Maschinenwert den Arbeitsaufwand rechtfertigt. Bei kleinen Elektromotoren ist der Austausch häufig günstiger, weil eine Neuwicklung zum großen Teil Handarbeit ist. Mit in die Rechnung gehören die Lieferzeit eines Ersatzmotors und der höhere Wirkungsgrad neuer Motoren.

Was kostet es, einen Elektromotor neu wickeln zu lassen?

Die Kosten einer Neuwicklung hängen vor allem von Arbeitszeit und Kupfermenge ab, dazu kommen Wicklungsart, Zusatzarbeiten an Blechpaket, Lagern oder Welle und die Dringlichkeit. Einen Pauschalpreis gibt es deshalb nicht, ein belastbares Angebot macht der Wickelbetrieb nach Begutachtung.

Was passiert beim Neuwickeln eines Elektromotors?

Der Wickelbetrieb nimmt die Wickeldaten auf, zerlegt den Motor, entfernt die alte Wicklung und prüft das Blechpaket. Dann baut er die Isolation neu auf, wickelt den Stator neu, imprägniert und prüft die Wicklung. Zur neuen Isolation gehören Nutisolation und Deckschieber, je nach Aufbau auch Zwischenschieber, Nutverschlusskeil und Phasentrenner.

Welches Isoliermaterial braucht ein Wickelbetrieb?

Ein Wickelbetrieb braucht vor allem flexibel einsetzbares Material: Deckschieber als Meterware, etwa in Abschnitten von einem Meter, und Rollenmaterial in Standardbreiten, das vor Ort mit Schere oder Schlagschere zugeschnitten wird. Meterware gibt es in den Wärmeklassen B, F und H, siehe Deckschieber.

Welche Wärmeklasse braucht die Isolation beim Neuwickeln?

Die neue Isolation sollte mindestens die Wärmeklasse der ursprünglichen erreichen, die auf dem Typenschild des Motors steht. Gängig sind DMD Laminat für die Klassen B und F, NPN Laminat für Klasse F sowie Nomex® 410 Aramidpapier und NKN Laminat für Klasse H.